So, 25.02.18 14:21

Betreff: Dorfmoderation in Dernbach – DE1710
2. Sitzung des Arbeitskreises 1 – Ortsbild & Verkehr
Teilnehmer: Herr Ortsbürgermeister Quirmbach, Ortsgemeinde Dernbach
12 Dernbacher Bürgerinnen und Bürger
Moderation: Norman Kratz, Büro Stadt-Land-plus
Datum: 24.01.2018, 19.00 bis ca. 21.00 Uhr im Rathaus

Begrüßung
Herr Ortsbürgermeister Quirmbach begrüßte die Anwesenden und bedankte sich für das bisherige Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Die bisherigen Sitzungen in der Dorfmoderation seien sehr konstruktiv gewesen. Im Anschluss übergab Herr Qurimbach das Wort an Herrn Kratz, der kurz das Programm des Abends erläuterte. Rückblick auf die Ergebnisse der letzten Sitzung

Themenkomplex Verkehr:
Im Rückblick auf die vergangene Arbeitskreissitzung erläutere Herr Kratz, man habe bereits das Thema Verkehr und Parken intensiv diskutiert. Beim Thema Parken habe sich herausgestellt, dass die Probleme im Gemeinderat bekannt seien. Herr Quirmbach konnte in der letzten Sitzung viele Sachverhalte erläutern, die den Bürgerinnen und Bürgern noch nicht bekannt waren. Darunter unter anderem die Information, dass am Parkplatz am Kranken-haus mittelfristig eine Erweiterung durch den Betreiber vorgesehen ist.

Dennoch ist der fehlende Parkraum im Ortskern von Dernbach weiterhin ein Problem, ebenso wie die Konfliktpunkte mit dem Durchgangsverkehr. Herr Kratz erläuterte, man werde dieses Thema im Arbeitskreis noch einmal aufgreifen müssen, um konkrete Ergebnisse zu produzieren (z.B. Übersichtsplan Konfliktpunkte). Zwar könne man in der Dorfmoderation vermutlich keine abschließenden Lösungen erar-beiten, für den weiteren Prozess sei jedoch wichtig, die Sichtweise der Bürger ausreichend zu dokumentieren. Insbesondere Maßnahmen an der L 312 müssen mit dem Straßenbau-lastträger erörtert werden – für den Gemeinderat ist es in diesem Prozess hilfreich, auf konkrete Forderungen aus der Bürgerschaft zurückgreifen zu können.

Themenkomplex Dorfgemeinschaftshaus, Treffpunkte
Eine große Überraschung entstand in der letzten Arbeitskreissitzung durch die Informationen von Herrn Bode, dass das Pfarrzentrum nach Aussage der sogenannten KIS-Gruppe des Bistums Limburg mittel- bis langfristig zur Disposition stehe.

Derzeit gibt es überhaupt keine konkreten Absichten seitens des Verwaltungsrates oder des Bistums das Pfarrzentrum aufzugeben/zu veräußern. Im Sinne einer langfristigen Dorferneuerungsplanung (10-15-20 Jahre) war es laut Herrn Kratz jedoch sehr gut, diese Information in den Prozess einzuspeisen, um sich gemeinsam Gedanken über die Zukunft bestehender und etwaiger neuer dörflicher Treffpunkte zu machen und dabei alle Variablen zu berücksichtigen.
Im Zuge der Diskussion über ein fehlendes Dorfgemeinschaftshaus wurden in der letzten Sitzung erste Anregungen vorgebracht und Rahmenbedingungen abgesteckt. Herr Kratz betonte, darauf werde die heutige Sitzung aufbauen.

Impulsvortrag Dorfgemeinschaftshaus Kaden
Herr Kratz erläuterte am Beispiel der Ortsgemeinde Kaden die geplante Methodik zur Konzeption eines etwaigen Neubaus. In der Ortsgemeinde Kaden wurde ebenfalls in einem moderierten Prozess begonnen, die Bedürfnisse der Einwohner an ein zukünftiges Dorfgemeinschaftshaus zu erfassen. In einem darauf aufbauenden Planungsworkshop erarbeiteten die Bürgerinnen und Bürger erste Ideen zur Verortung des Gebäudes und der Raumaufteilung sowie der Gestaltung der Freianlagen. Darauf basierend erarbeitete das Büro einen ersten Vorentwurf, der im nächsten Schritt in eine konkrete Planung für einen Zuschussantrag überführt wurde. Stand 2018 ist der Antrag bewilligt und die Bauarbeiten werden im Frühjahr beginnen.

Das Beispiel Kaden zeigt, wie wichtig der Prozess der Dorfmoderation für die nachhaltige Planung eines Dorfgemeinschaftshauses ist. Auf diesem Weg konnte das Gebäude exakt auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Gruppen im Dorf (Vereine, Gemeinde, Private) angepasst werden.

Grillhütte
Da einige neue Arbeitsmitglieder zu begrüßen waren, erläuterte Herr Quirmbach den derzeitigen Planungsstand zur Grillhütte: Der Neubau der Grillhütte erfolgt unter dem Arbeitstitel „Dorfgemeinschaftseinrichtung“, da es sich eher um ein „Grillhaus“ als eine rustikale Grillhütte handelt.

Die Pläne sehen derzeit ein Gebäude mit einem Raum für rund 40 Personen vor sowie Teeküche, Lager und WC-Anlage. Vor dem Gebäude wird ein befestigter Vorplatz mit Grillstelle entstehen, auch ein kleiner Spielplatz ist in Planung. Die „Dorfgemeinschaftseinrichtung“ wird ganzjährig nutzbar sein (Heizung) und somit sowohl für Vereins- als auch Privatfeiern zur Verfügung stehen. Da für den Neubau Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen, wird der alte Grillplatz mit Spielplatz zurückgebaut.

Neubau eines Dorfgemeinschaftshaus/Dorfsaals
Herr Kratz betont, sowohl die Entwicklung rund um das Pfarrzentrum als auch die Planungen zur neuen Grillhütte müssten bei den Ideen für ein neues Dorfgemeinschaftshaus/Dorfsaal berücksichtigt werden. Die Anwesenden erläutern, derzeit habe das Pfarrzentrum Platz für rund 120 Personen (bestuhlt). Die Turnhalle biete Platz für annähernd 400 Personen, sei jedoch eben vornehmlich eine Turnhalle und als Veranstaltungsort wenig attraktiv. Ein neues Dorfgemeinschaftshaus/Saal müsste daher idealerweise über eine „Zwischengröße“ verfügen (200-250 Personen, bestuhlt).

Herr Kratz leitete daher die Diskussion auf den konkreten Raumbedarf eines Neubaus. Zunächst wurden hierzu im Plenum Vorschläge sowohl zum Gebäude als auch zu den Freianlagen gesammelt.

Planungen

Nachfolgend werden die Vorschläge stichwortartig zusammengefasst:

Tabelle
Tabelle 1: Vorschläge

In der Diskussion stellte sich heraus, dass ein etwaiger Saalbau vorwiegend für die Dernbacher zur Verfügung stehen soll. Der Bedarf nach Funktionen wie Tagung/Kongresse ist nicht gegeben, da dies durch die Hallen in Wirges und Ransbach-Baumbach abgedeckt wird. Der Saal sollte primär als Veranstaltungsort konzipiert werden. Für Sportangebote steht überwiegend die Sporthalle zur Verfügung. Dennoch sollten kleinere Sportangebote dort möglich sein, da die bestehende Sporthalle oftmals belegt ist.

Einhellig bestand die Meinung, den Sportplatz nicht vollständig aufzugeben, sondern einen Teil des Platzes als Kleinspielfeld zu erhalten/umzugestalten. Herr Kratz berichtete in diesem Zusammenhang von den Möglichkeiten einer „Soccerhall“, die ggf. sogar überdacht werden könnte und für eine Vielzahl an Sportangeboten zur Verfügung stehen könnte (Fußball, Hockey, Basketball, etc.).

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Beispielbilder Kleinspielfeldhalle mit unterschiedlichen Nutzungen (Quelle: Kübler Sports)

Im Hinblick auf die bestehende Sporthalle wurde angeregt, die dortige Tribüne zu entfernen. Damit würde nach Meinung der Anwesenden ein zusätzlicher Raum geschaffen, der für kleinere Kurs- und Sportangebote genutzt werden könnte. Herr Quirmbach berichtet, diese Idee habe es vor langer Zeit schon einmal gegeben. Die Verbandsgemeinde als Eigentümer der Halle hätte die Maßnahme sogar finanziert. Letzt-lich sei ein Umbau jedoch am Widerstand einiger Vereine gescheitert, die auf Zuschauer(einnahmen) angewiesen seien. Da aktuell eine Sanierung der Halle ansteht, könnte das Thema jedoch noch einmal aufgegriffen und mit erörtert werden.

Gruppenarbeit
Im Anschluss wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitskreises gebeten, in drei Gruppen auf Basis eines Luftbilds des Sportplatzes ihre Ideen zur Gestaltung der Fläche und eines etwaigen Neubaus zu visualisieren.

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Die Gruppen in der kreativen Phase

Nach einer etwa 30minütigen Bearbeitungsphase stellten die einzelnen Gruppen ihre Ansätze im Plenum vor.

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Ideenskizze Gruppe 1

Die Ideen der ersten Gruppe sehen die Visualisierung des Grundrisses der Kapelle auf dem Laurentiusplatz vor, beispielsweise durch Intarsien im Boden (Pflasterung, o.Ä.). Ein neues Gebäude mit Dorfsaal wurde zunächst als Flachbau an das bestehende Tennis-/Fußballheim geplant, dann jedoch als Solitärbau südlich der Tennisplätze angelegt. In der Gruppe wurde dies als bester Platz angesehen, da vermutlich die sanitären Einrichtungen im bestehenden Vereinsheim nicht für den geplanten Saalbau ausreichen und daher ein gesonderter Neubau erfolgen muss.

Die Parkplätze wurden im westlichen Teil des Sportplatzes angeordnet. Diese Flächen sollen gleichzeitig als Multifunktionsflächen zur Verfügung stehen. Das Kleinspielfeld soll in der südlichen Verlängerung des bestehenden Vereinsgebäudes platziert werden. Auf der Wiese westlich des Vereinsheims könnte eine Spiel- und Aufenthaltsfläche entstehen. Darüber hinaus sieht die Gruppe einen Rundweg vor, der ggf. mit Trimmgeräten kombiniert werden kann. Zudem schlägt die Gruppe Maßnahmen gegen die Verschmutzung des Weges mit Hundekot vor.

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Ideenskizze Gruppe 2

Gruppe zwei sieht den Neubau eines Gemeindesaals als Anbau an der westlichen Seite des Tennisheims vor. Die Räume des Erdgeschosses im Bestandsbau müssten dafür jedoch neu geordnet werden (Sanitäreinrichtungen für den Saal). Der bestehende Rundweg soll ausgebaut werden. Im Bereich des Rodelbergs kann sich die Gruppe eine Skateranlage vorstellen, im oberen Bereich mit Sitzbänken, im unteren Bereich mit einer Art „Auslauffläche“. Die bestehende Rampenanlage soll dabei integriert werden. Zwischen Rodelberg und bestehendem Sportplatz könnte eine einfache Grillstelle entstehen (im Wäldchen), die beispielsweise für Kindergeburtstage genutzt werden könnte.

Die Fläche des bestehenden Sportplatzes wird im Entwurf der Gruppe von Ost nach West in drei Bereiche gegliedert: Der östliche Bereich beinhaltet eine Multifunktionsfläche, die Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für alle Generationen beinhaltet (Z.B. Spielgeräte, Boulebahn, Sitzgelegenheiten). Das mittlere Drittel bildet in Zukunft das Kleinspielfeld. Der westliche Teil soll als Parkplatz genutzt werden, jedoch auch für Feiern (Zelt) zur Verfügung stehen.

Für den Laurentiusplatz wird vorgeschlagen, diesen zum Teil zu befestigen und den Grundriss der Kapelle zu visualisieren. Die Platzfläche soll damit z.B. mit einer mobilen Bühne auch als Raum für Theateraufführungen, Vereinsfeste und Gottesdienste genutzt werden können.

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Ideenskizze Gruppe 3

Die dritte Gruppe sieht ebenfalls die Visualisierung des Grundrisses der Kapelle auf dem Laurentiusplatz vor. Aus dem Rodelberg könnte eine spektakuläre Bühne werden. Dabei soll die Bühne im westlichen Bereich angeordnet und die Rampe für Sitzplätze genutzt werden. Als Alternative wird jedoch auch die Idee der Projektgruppe 2 begrüßt, den Laurentiusplatz als Bühnenstandort zu nutzen. Der bestehende Alleenweg, der Laurentiusplatz und die Bühne am Rodelberg sollen verbunden werden und eine Einheit bilden.

Den neuen Saalbau sieht die Gruppe westlich des Tennisheims vor. Eine weitere Idee ist die Neuanlegung einer Zufahrt von Norden über die Montabaur-Straße anzulegen und so eine zusätzliche Erschließung zu schaffen.

Ein Klein- bzw. Minispielfeld ist in der nord-östlichen Ecke des bestehenden Sportplatzes vorgesehen. In der südlichen Verlängerung des Spielfeldes könnte eine Spiel- und Aufenthaltsbereich entstehen, wobei die Gruppe auch die Idee der Gruppe 2 begrüßt, eine Grill-stelle im Wäldchen anzulegen.

Der westliche Bereich des bestehenden Sportplatzes bildet im Entwurf der Gruppe die Multifunktionsfläche für Parken und ggf. Zelt(e) bei Festivitäten.
Die Gruppe regt jedoch an, jenseits der Überlegungen zur Neugestaltung des Sportplatzes über eine zukünftige Nutzung des bestehenden Pfarrzentrums in der Ortsmitte nachzudenken. Klar sei zwar, dass das Pfarrzentrum auf absehbare Zeit erhalten bleibt, sollte es jedoch tatsächlich langfristig zur Disposition stehen, sollte es nicht „in fremde Hände“ fallen. Selbstkritisch merkt die Gruppe an, dass auch Argumente gegen einen Veranstaltungssaal im Ortskern sprechen (z.B. Parkplätze).

Die Anwesenden sind sich einig, dass Ortsgemeinde und Pfarrgemeinde das Gespräch suchen sollten und offen langfristige Kooperationsmöglichkeiten erörtern sollten.

Ausblick/nächste Schritte
Die erarbeiteten Ergebnisse der Gruppen werden nun durch das Büro Stadt-Land-plus zusammengefasst und in eine erste Entwurfsskizze überführt.
In der nächsten Arbeitskreissitzung wird der Entwurf vorgestellt und erörtert. Darüber hinaus steht weiterhin das Thema Verkehr mit der Verortung von Konfliktpunkten auf der Agenda. Auch das Thema „Ortsbild“ soll in der kommenden Sitzung andiskutiert und in weiteren Treffen vertiefend behandelt werden.

Das nächste Treffen des Arbeitskreises „Ortsbild & Verkehr“ findet statt am Mittwoch, den 07. März 2018 um 19:00 Uhr im Rathaus.
Zum Abschluss der Veranstaltung dankten Herr Kratz und Herr Ortsbürgermeister Andreas Quirmbach für die konstruktive Mitarbeit.

Erarbeitet: Stadt-Land-plus
Büro für Städtebau und Umweltplanung

i.A. Norman Kratz/mh
Dipl.-Ing. Raum und Umweltplanung
Boppard-Buchholz, 25.01.2018